Technische Daten
- Fahrgestell und Aufbau: Ikarus
- Motortyp: Rába
- Leistung: 180 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
- Getriebe: Viergang-Schaltgetriebe
- Sitz- / Stehplätze: 44 / 61
- Stehplatzfläche: 4,4 m²
- Stehplatzfläche je Person: 0,1 m²
- Fahrzeuglänge: 11,00 m
- Eigengewicht: 9000 kg
Historie & Besonderheiten
Im Jahr 1973 begann für die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) ein neues Kapitel im städtischen Busverkehr. Nach einer erfolgreichen Erprobungsphase bestellte die VHH erstmals 20 Stadtbusse des ungarischen Herstellers Ikarus vom Typ 190. Bereits in den Jahren 1971 und 1972 war ein einzelner Probewagen intensiv auf verschiedenen Linien der VHH und der Hamburger Hochbahn (HHA) getestet worden. Besonders auf schlechten Strecken, wie dem Gammer Weg in Altengamme, überzeugte der Bus durch seine robuste Bauweise und erhielt eine positive Bewertung.
Die Serienfertigung des Ikarus 190 begann 1973, wobei die ersten Fahrzeuge Mitte des Jahres ausgeliefert und bis Anfang 1974 vollständig in Betrieb genommen wurden. Im Vergleich zum Probewagen wurden einige Änderungen vorgenommen. Dazu zählten ein überarbeiteter Fahrerarbeitsplatz, rote Sitzpolster aus Kunstleder sowie ein geriffelter Fußbodenbelag. Spätere Serienfahrzeuge wiesen zudem eine leicht veränderte Gestaltung an Front und Heck auf.
Trotz seiner Stabilität zeigte der Ikarus 190 einige Schwächen. Die besonders weiche Federung sorgte bei vielen Fahrern für Unmut, während das Werkstattpersonal über hohe Fertigungstoleranzen und Schwierigkeiten beim Austausch von Ersatzteilen klagte. Der Rostschutz erwies sich ebenfalls als unzureichend–ein Problem ,das in jener Zeit jedoch auch bei vielen anderen Herstellern verbreitet war.
Die ersten 20 Busse wurden ausschließlich im Betriebshof Bergedorf eingesetzt. Mit weiteren Beschaffungen zwischen 1975 und 1977 – insgesamt wurden 154 Fahrzeuge angeschafft – kamen 30 Ikarus 190 auch nach Neumünster, einzelne Busse später auch kurzzeitig in Quickborn und Glinde zum Einsatz. Der letzte Bus, Fahrschulwagen 7748, der eigentlich für eine museale Erhaltung vorgesehen war, wurde 1991 verschrottet, womit der Einsatz dieser Baureihe bei der VHH endgültig endete.
Unser Museumsbus
Wagen 7345 war während seiner gesamten Einsatzzeit in Bergedorf stationiert. Nach seiner Abmeldung im Jahr 1982 gelangte er nach Lauenburg, wo er allerdings seinen Motor und die Bestuhlung verlor. Später wurde ein Restaurierungsversuch bei der VHH begonnen, der Bus wurde vollständig zerlegt und sollte in neuwertigem Zustand wieder aufgebaut werden. Dieses Vorhaben wurde jedoch – nachdem die Arbeiten zu ca. 60% fertiggestellt waren – leider abgebrochen.
Wagen 7345 steht heute symbolisch für die gesamte Ikarus-Ära der VHH in den 1970er Jahren – eine Zeit, in der die VHH neue Wege in der Fahrzeugbeschaffung ging und damit einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Nahverkehrs in Hamburg leistete.