Konzept

Der Hamburger Omnibus Verein e.V. (HOV) blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Was 1975 mit drei engagierten jungen Gründungsmitgliedern im Umfeld des Vereins Verkehrsamateure und Museumsbahn e.V. (VVM) begann, entwickelte sich rasch zu einer eigenständigen Initiative für den Erhalt historischer Stadtlinienbusse. Bereits 1976 wurde die „Arbeitsgruppe Omnibus“ innerhalb des VVM gegründet und damit der Grundstein des HOV gesetzt. 1978 folgte dann die Loslösung und offizielle Gründung des Hamburger Omnibus Verein; seit 1991 ist dieser dann als gemeinnütziger Verein eingetragen.

Heute zählt der Verein knapp 100 Mitglieder und betreut eine beeindruckende Sammlung von 34 historischen Omnibussen aus den Jahren 1954 bis 2011 – ein Querschnitt von mehr als einem halben Jahrhundert Hamburger und bundesdeutscher Verkehrsgeschichte.

Die HOCHBAHN als Innovationsmotor

Die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) spielte über Jahrzehnte eine führende Rolle in der Entwicklung des Stadtbusverkehrs – insbesondere in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter, den Fahrzeugwerkstätten Falkenried GmbH (FFG). Zwischen 1959 und 1984 entstanden hier viele technische Neuerungen, die bundesweit Maßstäbe setzten:

  • Beteiligung an der Entwicklung des VÖV-Standardlinienbusses ab Mitte der 1960er-Jahre
  • Weiterentwicklung bis zum VÖV II und zum ÖNV-Bus S 80
  • Einführung des Standardlinienbusses II im Jahr 1984
  • Entwicklung der bis heute verwendeten Knickwinkelsteuerung für Schubgelenkbusse
  • Inbetriebnahme der ersten Serie des Mercedes-Benz O 530 „Citaro“ in den Jahren 1997/98

Die schnelle technische Weiterentwicklung führte dazu, dass viele Bustypen nur wenige Jahre im Einsatz waren – ein Umstand, der den HOV motivierte, einen repräsentativen Querschnitt dieser Fahrzeuge für die Nachwelt zu erhalten.

Ein rollendes Technikmuseum

Der HOV dokumentiert diese Innovationsgeschichte durch eine sorgfältig aufgebaute Sammlung verschiedenster Fahrzeugtypen. Beispiele:

  • Daimler Benz O 3500 (Bj. 1954): Ein sogenannter „Haubenwagen“ mit Lkw-Rahmen und Schnauzenmotor – typisch für die Vorkriegszeit.
  • Daimler Benz O 321 H (Bj. 1955): Erster Bus mit selbsttragender Karosserie und Heckmotor – Symbol für den Umbruch im Omnibusbau.
  • Magirus-Deutz Saturn II: Drei erhaltene Fahrzeuge, mitentwickelt von der HOCHBAHN.
  • VÖV-Standardlinienbus I & II: Zahlreiche Fahrzeuge verschiedener Hersteller und Entwicklungsstufen, darunter auch ein seltener Vertreter der FFG-eigenen Nullserie.
  • Nachfolgemodelle wie der Mercedes-Benz O 405 N2: Zeugen des Übergangs vom Hochflur- zum Niederflurfahrzeug.

Die Sammlung deckt nicht nur große Busse ab – auch der Kleinbusbereich ist mit mehreren Fahrzeugen vertreten, etwa:

  • Daimler-Benz O 319 D („Bergziege“, Bj. 1965) – bekannt aus dem Einsatz in Hamburg-Blankenese
  • Magirus-Deutz 110 E 6 (Bj. 1969)
  • Daimler-Benz/Jessen O 309 D (Bj. 1981) – ein Fahrzeug, das einst für die Kleinbuslinien 48 und 49 genutzt wurde, welches bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein GmbH (VHH) erhalten wird.

Eines der Highlights: ein Citybus von 1958, der nach jahrzehntelangem Warten 2002 noch als Ruine übernommen werden konnte – ein echtes Restaurierungsprojekt mit Seltenheitswert.

Mehr als nur Fahrzeuge

Der HOV sammelt nicht nur Busse, sondern auch Dokumente, Fotos und technische Unterlagen, die den öffentlichen Nahverkehr Hamburgs umfassend dokumentieren. So entsteht ein lebendiges Bild vom Wandel der Mobilität – technisch wie gesellschaftlich.

Ein Zuhause für die Sammlung

Aus Platz- und Kostengründen kann die Sammlung nicht in Hamburg untergebracht werden. Nach Aufgabe der alten Halle in Schönböken fand der Verein 2002 in Schwanheide (Mecklenburg-Vorpommern) eine neue Heimat: eine ehemalige Getreidelagerhalle bietet nun wettergeschützten Raum für den Großteil des Fahrzeugbestands. Viele Busse fuhren den Weg dorthin aus eigener Kraft – ein eindrucksvoller Beweis für ihren guten Zustand und die Arbeit der Vereinsmitglieder.

Der Hamburger Omnibus Verein e.V. steht seit 50 Jahren für Leidenschaft, Technikgeschichte und ehrenamtliches Engagement. Mit seiner Sammlung bewahrt er ein wichtiges Stück Hamburger Verkehrskultur – für heutige und kommende Generationen.