Technische Daten
Fahrgestell und Aufbau: Mercedes-Benz
Motortyp: OM 447h, geräuschgekapselt
Leistung: 214 PS (157 kW)
Höchstgeschwindigkeit: 88 km/h
Getriebe: MB Viergang-Automatikgetriebe
Sitz- / Stehplätze: 41 / 56
Stehplatzfläche: 8,57 m²
Stehplatzfläche je Person: 0,125 m²
Fahrzeuglänge: 11,73 m
Eigengewicht: 10.450 kg
Historie & Besonderheiten
Mit dem Mercedes-Benz O 405 N begann 1991 bei der Hamburger Hochbahn das Zeitalter der echten Niederflurbusse. Nach Jahren der Übergangstechnologien (abgesenkte Mittelflure ohne stufenfreien Zugang) stellte die HHA mit der ersten Serie (Wagen 1011–1023) einen wichtigen Schritt in Richtung barrierefreier Nahverkehr dar.
Eigentlich wollten die Hamburger Verkehrsbetriebe ab 1985 in großem Stil ihren VÖV I-Wagenpark durch den neuen, eckigen „Standardlinienbus II“ ersetzen (so erwarb die HHA 1984-1987 insgesamt 195 Stadt- und 50 Gelenkbusse). Um die Serienreife des stufenlosen Niederflurbusses abzuwarten und nicht weiterhin große Stückzahlen von Hochbodenfahrzeugen zu beschaffen, die nach dem Entwicklungsstand der Technik nicht behindertengerecht waren, setzten sie ihre Fahrzeugbeschaffungen 1988-1990 aus. So beschaffte die HHA 1990 nur jeweils 3 Probewagen von Mercedes-Benz und MAN. Diese hatten noch die gleiche Sitz- und Türanordnung wie die Hochbodenfahrzeuge, nur die Türauffangräume und der Mittelgang dazwischen waren stufenlos abgesenkt. Wegen der hinter der Mitteltür unveränderten Hinterachse und Motorüberbauung musste eine (gelb markierte und beleuchtete) Stufe im Gang zu den hinteren Sitzplätzen angeordnet werden. Schnell gelangte man zu der Erkenntnis, dass hier ein Gefährdungspotential für die Fahrgäste lag und sah sich gezwungen, die Ausstiegstür um ein halbes Fensterfeld nach vorn zu verlegen, um den Fußboden nach hinten rampenartig ansteigen lassen zu können. Gleichzeitig konstruierten die Hersteller eine unter dem Fußboden angeordnete, elektrisch ausfahrbare Rampe an der Mitteltür, die allerdings wegen ihrer Störanfälligkeit und Langsamkeit den Betrieb erheblich behinderte und ab 1996 nachträglich durch handbediente Klapprampen ersetzt wurde. Zusätzlich waren alle Niederflurbusse zur Türenseite hin per Tastendruck absenkbar. Eine erste kleine Serie von 13 Bussen wurde im Sommer 1991 an die HHA ausgeliefert und bewährte sich, so dass ab Ende 1991 bis 1994 in großer Stückzahl Neubeschaffungen dieses „Mercedes-Benz O 405 N1“ alle alten Standardlinienbusse I der letzten Baujahre 1979-1984 ersetzen konnten.
Die Tieferlegung des Wagenbodens und die damit verbundene Anordnung aller Sitzplätze auf Podesten erforderte eine Neukonstruktion der Vorderachs-Radkastenüberbauung. Diese speziellen Kunststoffschalen kamen aber erst ab Herbst 1992 beim “N1” zum Einbau. Die ersten beiden Serien (“N0”) von 1991 (1011-1023) und 1991/92 (1101-1184) erhielten über den vorderen Radkästen noch schwarze Stahlrohr-Sitzkonstruktionen, wie sie bis 1984 in den alten Daimler-Benz O 305 eingebaut worden waren. Auch war hier noch auf die Podeste eine weitere, zusätzliche Stufe aufgesetzt. Das Auspuffrohr endete mittig unterhalb des „Euro-0“-Motors. Ab Herbst 1992 musste für den Nachfolgemotor, der die Abgasnorm “Euro-2“ erfüllen sollte, die Karosserie um 18 cm verlängert werden – erkennbar an den vergrößerten, letzten Seitenfenstern. Fortan endete das Auspuffrohr wieder in der hinteren linken Ecke der Karosserie und erlaubte so eine komplette Geräuschkapselung des Motors.
Unser Museumsbus
Wagen 1014 gehörte zum ersten Niederflur-Kontingent der HHA und war – wie die Hälfte der ersten Lieferung – für den Betriebshof Hummelsbüttel zum Betrieb der Linie 179 bestimmt. Im Laufe seiner Einsatzzeit wurde er mehrmals zwischen den Betriebshöfen umgesetzt:
- 18.07.1991: Inbetriebnahme am Betriebshof Mesterkamp
- 17.09.1991: Umsetzung nach Hummelsbüttel
- 30.09.1996: Verlegt nach Langenfelde
- 20.06.1998: Zurück nach Mesterkamp
- 15.06.2002: Letzte Einsatzstelle erneut Hummelsbüttel
Insgesamt war er 12 Jahre im Linienbetrieb in Hamburg im Einsatz, bevor er 2003 ausgemustert wurde.
Im Januar 2004 gelangte er zur Firma Buckting Reisen (Coesfeld), wo er bis 2012 im Schülerverkehr lief – mit nur wenigen Veränderungen gegenüber dem Originalzustand.
Als 2012 die Möglichkeit bestand, dieses gut erhaltene Exemplar zurückzuholen, entschied sich der HOV zur Aufnahme in die Sammlung. Wagen 1014 befindet sich nahezu im Originalzustand von 1991:
- Originale KRUEGER-Matrixanzeigen
- Elektrische Rampe (statt Handrampe)
- Ursprüngliche „Wagen hält“-Anzeige im Mittelgang
- Dritte Blink-Leuchte über der Mitteltür (einzig bei 1. Serie)
- Innenausstattung: braune Seitenwände, grüne Plüschsitze, dunkle Haltestangen
Mit der großen, ungeteilten Frontscheibe setzte die O 405 N-Baureihe einen neuen Maßstab für das Erscheinungsbild der Hamburger Stadtbusse. Der Wagen weist trotz des Alters noch viele Originalbauteile auf, allerdings waren bei der Übernahme Reparaturen an Lenkung, Bremsen und Federung erforderlich – ein Umstand, den auch andere Museumsfahrzeuge wie der Schnellbus 6502 teilten.
Wagen 1014 steht heute im HOV als erstes Niederflurfahrzeug der HHA für eine bedeutende technologische Zäsur in der Geschichte des Hamburger Nahverkehrs.