Technische Daten
- Fahrgestell und Aufbau: EvoBus Mercedes-Benz
- Motortyp: OM 906 hLA, Euro-2, geräuschgekapselt, mit Turbolader
- Leistung: 231 PS (170kW)
- Höchstgeschwindigkeit: 85 km/h
- Getriebe: ZF Ecomat 5 HP 500 – Fünfgang-Automatik
- Sitz- / Stehplätze: 35 / 64
- Stehplatzfläche: 8,0 m²
- Stehplatzfläche je Person: 0,125 m²
- Fahrzeuglänge:12,00 m
- Eigengewicht: 10,750 kg
Historie & Besonderheiten
Mit dem O530 “Citaro” stellte Mercedes-Benz 1997 einen vollständig neu entwickelten Niederflurbus vor, der – anders als seine Vorgänger – nicht mehr den VÖV-Vorgaben entsprach, sondern erstmals konsequent für einen modernen, variablen Stadtbuseinsatz entwickelt wurde.
Am 27.11.1997, exakt 13 Jahre nach der Vorstellung des O405, wurde der Citaro im Rahmen des ersten HOCHBAHN-Forums in der Hamburger Fischauktionshalle der Öffentlichkeit präsentiert.
Die HOCHBAHN war Reverenzkunde und nahm noch im selben Jahr die ersten 20 Fahrzeuge (1801-1820) in Betrieb, den Rest (1821-1835) bis März 1998 – gleichmäßig verteilt zu je 7 Bussen auf alle fünf Betriebshöfe.
Besonderheiten der Citaro-Erstausführung (1997/98)
- Ganz neue Bauform mit durchgehend glatter Außenhaut, großen Fensterflächen, großzügigem Innenraum
- Portal-Hinterachse für erweiterten Niederflurbereich
- Elektronisches Bremssystem (EBS) mit ABS, übernommen auf dem MB-Actros
- Neuer Fahrerarbeitsplatz mit Display-Anzeige, elektrischem Seitenfenster (nur bis 1999)
- Stufenlose Einstiege, hängende “Cantilever”- Bestuhlung zur einfacheren Reinigung
- Lichtbänder über der Mitteldecke, zwei getrennte Heizkreisläufe (Fahrer/Fahrgäste)
- OM 906-Motor der neuen Generation – kräftig, emissionsarm, effizient
Kritik und Probleme der ersten Citaro-Serie
Die erste Citaro-Serie wurde in Hamburg direkt im Linienbetrieb erprobt, ohne vorherige längere Testphasen beim Hersteller.
Die Folge:
- Zahlreiche Kinderkrankheiten
- Hohe Störanfälligkeit durch empfindliche Leistungselektronik
- Probleme mit Bremssystemen, Batterien, Kühlkreisläufen
- In der Werkstatt unbeliebt und bald mit dem Spitznamen “Zitrone” versehen
- Bereits 2002-2004 vollständig ausgemustert und gegen neue Fahrzeuge getauscht
Mercedes stellte zur Schadensbegrenzung drei Reservefahrzeuge zur Verfügung (Wagen 1890-1892)
Unser Museumsbus
Verbleib & Weiterverwendung
Einige Fahrzeuge – darunter auch Wagen 1809 – wurden nach Überarbeitung vom Hersteller an andere Betriebe abgegeben. 1809 ging 2002 an die Stadtwerke Bonn (SWB) und erhielt dort die Betriebsnummer 9719. Nach einer erneuten Abstellung 2010 war er für das “Deutschlandfest 2011” (Feier zum Tag der Deutschen Einheit und NRW-Tag) noch einmal kurzzeitig reaktiviert worden.
Überführung nach Hamburg
Anfang 2012 erwarb der HOV mit Unterstützung der HOCHBAHN den Bus zurück, um ihn als historischen Vertreter der Citaro-Erstserie zu bewahren.
Die Überführung am 24.01.2012 wurde zu einer Herausforderung:
- Totalausfall der Bremsanlage und des Kühlkreislaufs
- Unterstützung durch KVB (Köln), WUPSI (Leverkusen) und Rheinbahn (Düsseldorf)
- Nachtfahrt nach Hamburg mit Notmaßnahmen und Improvisation
Zustand & Erhaltungsmaßnahmen
Zustand bei Übernahme:
- Korrodierte Bremsscheiben
- Defekte Batterien
- Abmontierte Originaltechnik (z.B. Fahrtzielanzeige)
Maßnahmen seitens des HOV:
- Austausch aller abgenutzten “HHA”-Polster durch neuwertige
- Wiederherstellung der originalen LAWO-Fahrtzielanzeige
- Schönheitsreparaturen (Karosserie, Unterzug, Ausrufanlage)
Fazit
Mit Wagen 1809 besitzt der HOV den ältesten erhaltenen Mercedes-Benz Citaro, der gleichzeitig einen kritischen Wendepunkt in der Entwicklung deutscher Linienbusse markiert. Er steht exemplarisch für den Übergang von standardisierten VÖV-Typen zu individualisierten, elektronisch hochgerüsteten Fahrzeugkonzepten im Stadtverkehr – mit allen Konsequenzen für Technik, Betrieb und Instandhaltung. Ein Zeitzeuge mit Zitronengeschmack – aber hohem dokumentarischen Wert.