Technische Daten
- Fahrgestell & Aufbau: Magirus-Deutz
- Motortyp: F6L 614
- Leistung: 125 PS
- Höchstgeschwindigkeit: 75 km/h
- Getriebe: elektropneumatisches Vorwähl-Fünfgang-Schaltgetriebe
- Sitz- / Stehplätze: 32 / 52
- Stehplatzfläche: 6,80 m²
- Stehplatzfläche je Person: 0,13 m²
- Fahrzeuglänge: 10,00 m
- Eigengewicht: 6.350 kg
Historie & Besonderheiten
Zwischen 1958 und 1967 beschaffte die HHA insgesamt 535 Stadt- und 130 Schnellbusse vom Typ Magirus-Deutz Saturn II bzw. ab 1964 unter der Bezeichnung 150 S 10 sowie 1967 noch einmal 19 Schnellbusse des um ein Fensterfeld verlängerten Typs 150 L 12.
Erstmals war die selbsttragende Karosserie gegenüber den Achsen vollständig luftgefedert. Der Motor wurde im Heck angeordnet, wodurch sich für die Fahrgäste in Verbindung mit der serienmäßigen, schallschluckenden Deckenverkleidung ein besonders laufruhiges Fahrverhalten ergab.
Von 1958 bis 1961 erhielten alle neuen HHA-Busse elektropneumatische 5-Gang-Vorwählgetriebe (der 5. Gang war ab 1959 aber nicht elektrisch vorwählbar). Der Fahrer wählte mit einem kleinen Hebel rechts unter dem Lenkrad den nächsten gewünschten Gang vor und legte ihn später bei Bedarf dann mit der Fußkupplung ein. Der Fahrer sparte also die Bedienung des Schaltknüppels. Leider verzieh die sensible Technik keine ständigen Fehlbedienungen – und dazu kam es oft, denn die Fahrer waren es gewohnt, gleichzeitig zu kuppeln und zu schalten – eine Todsünde bei diesem System. So kehrte die HHA denn ab 1962 wieder zu herkömmlichen Schaltgetrieben zurück.
Wagen 6799 ist das letzte von 95 Fahrzeugen der ersten Großserie des Magirus-Deutz Saturn II, speziell angepasst an die Anforderungen der HHA. Der „Typ Hamburg“ unterschied sich in mehreren Details von anderen Saturn II-Modellen:
– große Front-, Seiten- und Heck-Fahrtzielanzeige statt nur kleiner Front-Fahrtzielanzeige
– gummigefaßte Seitenfenster mit nur zwei Lüftungsklappen im Heck statt Metall-Fensterrahmen mit kippbaren Lüftungsklappen an allen Seitenfenstern
– zwei lichtdurchlässige Hubdächer statt Lamellen-Lüftungsöffnungen im Dach
– karosseriebündig abschließende Türen statt senkrecht stehender Türflügel (bessere Waschanlagen-Tauglichkeit)
– Verzicht auf die waagerechten, verchromten Haltestangen oberhalb der Sitzlehnen (Vermeidung von Gesichtsverletzungen bei scharfem Bremsen)
– Sitzpolster abwechselnd rot und hellgrün (ab 1964 rot und blau) statt durchgehend dunkelgrün
– Fahrgast-Haltewunschknöpfe in der Decke für den Einmannbetrieb
– schwedische Wechselblinker, für die in Hamburg eine besondere Ausnahmegenehmigung erteilt wurde
– ab 1962 Stoßstange aus stabilem Stahl statt Aluminium
– zwei bis zum Dach seitlich des Heckzielkastens hochgezogene Auspuffrohre
Unser Museumsbus
Nach seiner HHA-Zeit wurde der Bus 1965/66 vom Viking-Reisedienst auf der Linie 57 im Auftrag der HHA eingesetzt, später zum Wohnraum und als Hühnerstall genutzt, bevor er 1976 zufällig entdeckt und 1978 geborgen und im Anschluss aufwändig restauriert wurde. Eine komplette Bestuhlung konnte in Ratzeburg von ausgemusterten HHA-Bussen geborgen werden. Die
Die Restaurierung des Wagens 6799 begann im Jahre 1979 mit der Entfernung der den Innenraum unterteilenden Holzwände aus seiner Zeit als Wohnbaracke und mit der Sicherstellung einer kompletten Bestuhlung aus mehreren anderen Omnibussen aus derselben HHA-Serie, die bei einem Verkehrsbetrieb in Ratzeburg zur Verschrottung anstanden.
Ab 1984 erfolgte dann die Entfernung des Holzfußbodens im Innenraum und die anschließende Entrostung und Versiegelung der Rahmen-Bodengruppe. Nach der Erneuerung der Hydraulikleitungen zur Betätigung der elektropneumatischen Gangschaltung des Schaltgetriebes konnte ein neuer Holzfußboden eingebaut und danach ein neuer Pegulan-Belag verlegt werden.
1986 erfolgte dann die Aufarbeitung der gesamten Fahrzeugkarosserie innen und außen mit der Zielsetzung: „Wiederherstellung des letzten Betriebszustands bis zur Außerdienststellung des Wagens 6799 bei der HHA im Jahre 1965“. Dafür wurde die Lackierung in den originalen HHA-Farben RAL 1001 / 3000 wiederhergestellt. Es handelte sich nicht um eine zulassungsfähige Komplettrestaurierung, sondern um eine optische und funktionelle Wiederherstellung als museales Ausstellungsfahrzeug.
Der Bus ist ein repräsentatives Exemplar der frühen Saturn II-Baureihen in der HOV-Sammlung.